“Slow Life Challenge”

“Slow Life Challenge”

23. Mai 2017 0 Von Catrin Grobbin

Ende April hat eine sehr gute Freundin zu einer 30-Tage-Challenge eingeladen: Slow Down. Enjoy Life. Sie hatte dafür einen Abreißkalender, auf dem es 30 verschiedene Anregungen für Verlangsamung gab. Eine total schöne Idee, fand ich, und ließ mir sehr gern von Ihr jeweils die Aufgabe per WhatsApp schicken. Wie sie berichtet hat, blieb ich nicht die einzige, mit der Zeit hatte sie eine richtige “Slow life-Gruppe”, die sie jeden Morgen mit einer neuen Verlangsamungsidee versorgte.

Es fing ganz gemütlich an: Take a deep breath, and repeat. Leichte Übung, gute Erinnerung, das gefiel mir schonmal sehr gut. Die Übung des nächsten Tages war schon etwas kniffliger “Have an Acai Bowl for Breakfast.” Dieses Frühstück war uns bisher nicht bekannt und die Zutaten hatten wir auch nicht zur Hand. Aber eine andere leckere Alternative geht ja auch, beschlossen wir. Es sollte ja schließlich kein Stress werden.

Die Aufgabe des dritten Tages war wieder ganz nach meinem Geschmack: Take a 20 Min Nap. Und tatsächlich schaffte ich es an diesem Tag, ein Nickerchen einzulegen, das schaffe ich längst nicht jeden Tag, Aufgabe erfüllt, check. Und sehr weiterzuempfehlen.

Weitere folgende Aufgaben, ein Bild auszumalen sowie ein Buch zu beginnen, musste ich überspringen bzw. stark abwandeln, soviel Zeit stand mir nicht zur Verfügung. Als berufstätige Mutter fand ich die Challenge an solchen Tagen ein wenig frustrierend. Spätestens da habe ich beschlossen, die Aufgaben nicht in genau der Reihenfolge zu versuchen und auch zu variieren oder zu ersetzen, wenn es nicht passt. Sonst wäre es keine schöne Sache für mich gewesen. So hatte ich die Aufgabe “kümmere dich um deine Pflanzen” aus meiner Sicht schon beim Aussähen meiner kleinen Gemüsepflänzchen erledigt (siehe eigener Artikel, sie leben jetzt allerdings auf meinem Balkon und bei einer anderen Freundin im Garten), ließ das Schreiben eines Tagebuchs weg (bzw. mache jetzt etwas ähnliches), und zum Scrapbooken hatte ich keine Lust. Über die Aufgaben, ein altes Möbelstück zu restaurieren oder den ganzen Tag im Bett zu bleiben, musste ich lauthals lachen – und habe dann stattdessen einfach auf dem Weg zur KiTa den Vögeln zugehört oder eine Runde aus dem Fenster geguckt. Darin besteht in meinen Augen auch eine Herausforderung: sich etwas vorzunehmen, um sich etwas Gutes zu tun, ohne daraus ein Dogma zu machen. Dabei bleiben, aber es so in den Alltag einbauen, dass es stressfrei möglich ist. Das gilt für mich auch für andere Projekte, wie Entspannungsübungen, Meditation, Bewegung. Wenn die tägliche “Entspannungs-Routine” mir Stress macht, läuft irgendetwas daran falsch.

Erstaunlicherweise ist mir aber aufgefallen, dass ich viele Aspekte, die in dieser Challenge angeregt werden, tatsächlich schon in mein Leben eingebaut habe, und das hat mich sehr gefreut. Ich habe wie gesagt schon Pflanzen gepflanzt, male ab und zu ein Bildchen, gucke in die Wolken, genieße bewusst mein Essen oder achte auf meinen Atem. Insofern war es für mich an vielen Stellen eine Erinnerung oder auch eine Bestätigung, dass ich schon in die Richtung unterwegs bin, die mir vorschwebt.

Darüber hinaus habe ich sehr den morgendlichen Kontakt genossen, das Sich-einmal-am-Tag-etwas-Nettes-schreiben. Das wird mir fehlen, bzw. vielleicht können wir ja ein bisschen davon beibehalten, auch wenn wir beide sehr busy sind? Ich bin gespannt, ob mir und uns das gelingt, auch ohne “Anlass”. Klingt auch nach einer kleinen Herausforderung.

Wenn ich so eine Aufgabensammlung herausbrächte, dann mit Kärtchen zum herauspicken und nicht mit einer festen Reihenfolge. Das fände ich schön, mir einfach immer heraussuchen, was gerade passt. Auch wären darin noch mehr kleine Anregungen enthalten und nicht so viele große Aufgaben, denn für diese braucht man wirklich die entsprechenden Zeitfenster. Auf die freue ich mich schon, wenn unsere Tochter größer ist, aber im Moment ist vieles einfach nicht so einfach machbar, und ich habe den Eindruck, dass das noch mehr Leuten so geht, selbst denen ohne Kinder. Vielleicht könnte man auch eine “Alltags-Challenge” und eine “Urlaubs-Challenge” draus machen? Vielleicht mache ich das irgendwann sogar mal. Oder meine Freundin. 🙂

Als Anregung was es auf jeden Fall eine sehr schöne Sache. Überleg mal, was könnte denn eine Verlangsamungsaufgabe für dich sein? Was tut dir gut und was davon hast du lange nicht mehr gemacht? Oder was könntest du dir ruhig öfter gönnen? Atmen oder in die Wolken gucken passt ja eigentlich immer mal zwischendurch. Oder bewusst essen. Ich wünsche dir viel Spaß und Entspannung dabei, auch in einem vollen Terminkalender.

In diesem Sinne: Immer schön langsam! Das ist die Challenge.

Catrin Grobbin

PS: Übrigens war ich ziemlich überrascht, dass schon wieder 30 Tage um sind… Auch das wieder eine schöne Anregung, immer mal wieder zu verlangsamen, die Zeit verrinnt ohnehin schon so schnell.

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